28. September
Der Sonntagsbrunch: seit 2004 mit denselben Rezepten
Warum wir am Sonntag nichts ändern und was Gäste daran mögen.
Beitrag lesenAus unserer Küche
Orangemoran-vip kocht seit über zwanzig Jahren in München, und wer bei uns am Fenster sitzt, sieht den Marktstand vom Vormittag noch vor sich: Kisten mit Mangold, junge Karotten, ein paar Bündel Bohnenkraut. Genau daraus entsteht unsere Karte, Monat für Monat neu geschrieben.
Hinter den Kulissen
Bei uns steht die Karte nicht am Montag fest und bleibt dann acht Wochen hängen. Mara fährt dienstags und freitags über den Markt, schaut sich an, was gut aussieht, und ruft danach in der Küche an. Was auf den Tisch kommt, hängt davon ab, ob der Wirz fest ist, ob die Pilze aus dem Bayerischen Wald schon da sind und wie viel Regen im August gefallen ist. Das klingt nach Chaos, ist aber eingespielt.
Unser Küchenchef Tobias hat die Mengen im Kopf. Wenn eine Lieferung kleiner ausfällt als gedacht, kürzt er nicht heimlich die Portion, sondern baut den Gang um. Aus zwölf Portionen Steinpilzrisotto werden dann eben neun, und der Rest der Karte rückt nach hinten. Gäste, die am Abend anrufen, hören manchmal erst um halb sechs, was es wirklich gibt. Wir halten das für ehrlicher als eine gedruckte Karte, die niemand einhalten kann.
Wer auf etwas Bestimmtes hofft, kann beim Reservieren kurz fragen. Wir notieren das und sagen Bescheid, wenn es nicht klappt. Das spart beiden Seiten einen enttäuschten Abend.
Die Grundlage der europäischen Küche, auf die wir uns berufen, ist ohnehin weniger aufwendig als ihr Ruf. Gutes Olivenöl, Butter, Salz, eine kräftige Brühe und Geduld. Ein Gericht, das fünf Zutaten hat, verlangt nach Sorgfalt bei jeder einzelnen davon. Deshalb stehen bei uns immer ein paar Klassiker auf der Karte, die seit der Eröffnung gleich geblieben sind: die Zwiebelsuppe, der Lammeintopf im Winter, das Apfelkompott zum Sonntagsbrunch.
„Wenn der Markt schlecht ist, kochen wir schlecht. Da hilft keine schönere Sauce.“
Bilder aus der Küche
Zwölf Aufnahmen aus den letzten Wochen, gemacht zwischen sechs Uhr morgens und Mitternacht.
Zahlen aus dem Jahr
38
Rezepte im laufenden Jahr
14
Betriebe im Umkreis von 60 km
21
Jahre am gleichen Standort
73 %
Zutaten aus der Region
Im Jahreslauf
Vier feste Wechsel, dazu kleinere Anpassungen dazwischen. Die folgende Übersicht zeigt, worauf Sie sich im Laufe eines Jahres einstellen können.
März
Bärlauch, Spargel aus der Pfalz ab April, erste Radieschen. Die schweren Schmorgerichte verschwinden.
Juni
Erbsen, Kohlrabi, Beeren. Kalte Vorspeisen und Fisch aus dem Bayerischen Wald kommen zurück.
September
Pilze, Kürbis, Wild aus heimischer Jagd. Das sind die vollsten Wochen im Jahr, auch im Gastraum.
Dezember
Wirsing, Rote Bete, Zitrusfrüchte aus Sizilien. Dazu der Lammeintopf, den viele Stammgäste erwarten.
„Wir kommen seit elf Jahren jeden zweiten Freitag. Die Karte ist nie die gleiche, aber das Zwiebelfleisch schmeckt jedes Mal wie beim ersten Besuch. Das ist die Kunst dabei.“
Häufige Fragen
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